Uwe Steimle: Neues aus dem Sachsenland

Der Kabarettist begeisterte sein Publikum mit „Günther allein zu Haus“

Buxtehude. (hag). Ohne Zugabe ließen die Besucher ihren Uwe Steimle am Donnerstagabend nicht von der Halepaghen-Bühne. Und der gab im Nachklapp und zur großen Freude aller Fans seinen näselnden Erich Honecker zum Besten: „... damit schaffen wir die Basis für die Grundlage unseres Fundaments“ kommt einfach immer wieder gut.


Fest steht: Steimles „Uns fracht ja keener“, mit dem der Sachse im vergangenen Jahr in Halepaghen für Furore sorgte, ist politischer, bissiger, dichter. Aber von schlechten Eltern ist „Günther allein zu Haus“ mitnichten, überschwemmt der unverbesserliche Single Zieschong sein Publikum doch nach bester Spießbürger-Manier und ohne Gnade mit einer Flut von Befindlichkeiten, aus der es kein Entrinnen gibt. Und spätestens, wenn dem langzeitarbeitslosen ehemaligen Parteisekretär der Aushilfsjob eines Kirchenführers angeboten wird, bleibt kein Auge mehr trocken.
Im ausgiebigen Home-Training verfranst sich der Günther in barocken Kunstexkursen und robbt mit akrobatischen Verrenkungen durchs hausbackene Wohnzimmerambiente aus den 60ern. Zauberhaft bis zermürbend. „Allein zu Haus“ schießt seine eigenwillige Sicht der Dinge ins Kraut. „Ihr habt uns zwar die Zutaten geschickt, aber wir haben was draus gemacht“, kommentiert er den Christstollen-Verkehr vor der Wende oder poltert am späteren Abend: „Der Altar wird schon eine Menge gekostet haben, das ist so sicher wie die Armen in der Kirche.“ Mit stolz geschwellter Brust präsentiert Günther seine Wertmarken-Sammlung „für den Fall, dass es mal wieder andersherum kommt“, und schwört „ich habe nichts gegen Schwule, aber in der letzten Zeit werden es immer mehr.“ Günther macht seinem Sachsen-Herz Luft und schimpft auf das ganze Land, „das in Sippenhaft genommen wurde“, auf das System, „das wir ja gleich hätten leasen können, dann könnten wir es jetzt zurück geben“ und wettert: „Was habt Ihr denn aus uns gemacht? Für so was haben wir nun '89 hinter der Gardine gestanden.“ Aber alles wäre noch viel schlimmer, wenn es da nicht den Parma-Schinken gäbe: „Da musste ich erst arbeitslos werden, um den kennen zu lernen.“ Apropos Arbeit: Diese Zeugen Jehovas, schüttelt er sich, hätten kürzlich behauptet, dass es in Bälde wieder welche gebe: „Aber ich weiß überhaupt nicht, wo Bälde liegt.“
Da bleibt nur zu hoffen, dass Uwe Steimle in Bälde wieder nach Buxtehude kommt.


Befindlichkeiten auf Sächsisch: Uwe Steimle macht Programm Abstandhalter

Artikel erschienen am: 12.03.2005