Das Mundwerk am rechten Fleck

Ina Müller begeistert ihr Kleinkunst-Publikum im Forum Süd mit „Mien Tung is keen Flokati“

Buxtehude (ots). Ob denn dasselbe Publikum wie beim letzten Mal da sei, blickt Ina Müller am Donnerstagabend im Forum Süd fragend in die Runde. Bis auf zwei neue Zuschauer, die sich mit Handzeichen zu erkennen gaben, war es wohl so.

Kein Wunder: Wer Ina Müller im vergangenen Jahr bei ihrer Lesung „Platt is nich uncool“ erlebte, konnte sich glücklich schätzen, wenn er auch in diesem Jahr eine der heiß begehrten Karten für die Veranstaltung des Kleinkunst-Igels ergattern konnte. In ihrem neuen Buch „Mien Tung is keen Flokati“ ist es der 38-Jährigen wieder gelungen, ironische Geschichten aus dem Alltag in plattdeutscher Sprache zu schreiben. Seit der Tatsache, dass Mundgeruch auf der Zunge liege wie auf einem verdreckten Flokatiteppich, habe das Wort Zungenkuss einen neuen Beigeschmack bekommen.
„Der plattdeutsche Humor ist nicht zu übersetzen“, sagt Ina Müller und weiß, wovon sie spricht. Als vierte von fünf Bauerntöchtern, aufgewachsen im Landkreis Cuxhaven, lernte sie Hochdeutsch erst in der Schule – als erste Fremdsprache. An akuter Reizüberflutung habe sie als Kind nicht gelitten, kommentiert sie trocken ihre Kindheit, von der sie einen großen Teil auf der Weide mit Kühen verbrachte. Munter plaudert die Wahlmünchnerin über ihr unentspanntes Verhältnis zu nackten Männerfüßen, über ihren Vater, den Erfinder des Pisspottschnitts, über die Mundgeruchsprechstunde an der Berliner Charite, über Marzipankartoffeln im August oder Sex im Freien.
Während Frauen beim Älterwerden mit Fettarmen und Dellen an den Beinen kämpfen, kriegen Männer lustige Frisuren, bringt sie das Publikum zum Lachen. Und Männer fassen Putzlappen aus dem Grund nicht an, weil sie Angst haben, davon impotent zu werden, vermutet sie. Ihr angenehm entspanntes Verhältnis zum eigenen Ego verschafft Ina Müller die Gabe, über sich selbst lachen zu können. Auch die Lachmuskeln der Zuschauer wurden am Donnerstag gehörig strapaziert, nicht zuletzt durch den charmanten, temperamentvollen Vortrag der Künstlerin, ihre Schlagfertigkeit im Dialog mit den Zuschauern und ihr ansteckendes Lachen.


Schnauze mit Herz: Ina Müller in Aktion. Foto: Ottens

Artikel erschienen am: 13.11.2004 im Buxtehuder Tageblatt