Kabarettist glänzte beim Kleinkunst-Igel
Buxtehude. Thomas Reis hat auf die
Frage Gibt's ein Leben über 40 ? jede Menge grelle Antworten
und ironische Perspektiven. Auf seiner Geburtstagsfeier am Sonnabend
im Halepaghen-Theater gab's statt belanglosem Small talk scharfzüngiges
politisches Kabarett. Der Einfachheit halber alphabetisch geordnet von A wie
Altersstarrsinn oder wie Angela, die von der niedlichen Zonenbarbie zum
Powerranger, vom Deppenpony zur Killerstute mutierte. B wie
Bush und C wie Chromosomenanomalie wie Hans Eichel, dessen Geburt für Reis
offenbar unter dem Einfluss von Saturn stand: Geiz ist geil.
Bei dem Buchstaben F fällt dem wortgewandten Satiriker spontan die FDP
und Fallschirmspringen ein, was ihn zu der Überlegung veranlasst: Man
muss Politiker nicht stürzen, man kann sie auch fallen lassen.
Kabarett ist für den gebürtigen Freiburger, der jetzt in Köln
lebt, eine humoristische Altenpflege. Dabei sei mit dem Alter nicht
zu spaßen, manche sterben daran.
Aber statt zu sterben, fangen die Alten ein Studium an, kritisiert der Kabarettist
und schiebt mit einem hintergründigen Lächeln hinterher, das sei das
neuste Schröder-Konzept: Bafög statt Rente.
Lohnt es sich noch die Dauerwurst zu kaufen oder die Dosenerbsen, fragt sich
das Geburtstagskind ängstlich. Denn ab 40 fangen die Gebrechen
an, da droht der Hexenschuss ja schon beim Korkenziehen.
Alles verzehren bis zum End, das ist das beste Testament, zitiert
er Goethe. Dazu brauche man aber ein gutes Timing, Denn es kann schon
mal passieren, dass man länger lebt, als man sich leisten kann.
Als Dr. Richard Rosengürtel, der Männerpsychologe, erklärt Reis
die weibliche Irrationalität: Sie kennen uns Männer, und erwarten
trotzdem etwas von uns.
Überhaupt, sinniert er weiter, das Leben passt nie zum Alter. Inzwischen
könnt ich mir einen Porsche leisten. Nur warum, ich könnte ihn nicht
mehr fahren, so schnell kann ich gar nicht mehr denken.
Das nimmt ihm im Publikum, das sich köstlich amüsiert, keiner ab:
Seine brillanten Wortspiele und hintergründigen Alltags-Grotesken beweisen
das Gegenteil. Die erfrischende Ironie, die in seinem gut zweieinhalb Stunden-Programm
nie nachlässt, macht's deutlich: Thomas Reis ist topfit, auch jenseits
der 40.

Thomas Reis lästerte über die Gebrechlichkeiten
jenseits der 40. Foto: Felsch
Artikel erschienen am: 11.04.2005 im Buxtehuder Tageblatt